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sunny at 7:00 – rain at 11:00

Text und Bilder: Florian Brouwers

Mit diesem netten Zweizeiler wird in dem typischen, kehligen Englisch der Schotten jede zweite Frage des neugierigen Fremden nach den Wetteraussichten fröhlich und abschließend beantwortet. Wie wahr, wie wahr! Trotzdem gibt es offenbar Stellen, an denen die Sonne bevorzugt scheint, und eine davon ist das Fort George, die einzige wirklich beachtliche Festungsanlage in Schottland.

Es ist heute schwer zu verstehen, welchen Schrecken die Clans der Highlander einst in England verbreiteten und wie sie 1745 die königliche Familie in London dazu gebracht haben, alles Gepäck zusammenzuraffen und sich auf die umgehende „Heimreise“ nach Hannover vorzubereiten. Die Schotten unter Bonnie Prince Charlie waren eben seinerzeit noch unberechenbarer als es heute das Wetter ist. So tief saß der Schreck, dass selbst nach der ziemlich vernichtenden Niederlage der Clans bei Culloden im Jahre 1746 sofort mit dem Bau einer gewaltigen „Zwingburg“ begonnen wurde:

Eben Fort George.

westliche Seite der Anlage
Unmittelbar nach dem Sieg wurde der königliche Militärarchitekt für Nordengland, William Skinner, mit dem Bau einer Festung beauftragt, die eine Wiederholung der Ereignisse von 1715 und 1745 unmöglich machen sollte. Die Pläne zeichnete William Adam. Nachdem eine Überlegung, auf den Ruinen von Cromwells Artilleriefort in Inverness zu bauen, abgelehnt worden war, begannen 1748 am Moray Firth, elf Meilen nordöstlich Inverness die Bauarbeiten. Das Bauwerk war auf eine Besatzung von etwa 2.500 Soldaten ausgelegt, davon alleine 1.000 als Besatzung oder Arbeiter und der Rest als Infanterie- und Artilleriesoldaten für eine eventuell zu schlagende Feldschlacht, denn sie sollten nicht nur zur Verteidigung, sondern eben auch zum Angriff bereitstehen.

Geschütz der Duke-of-Cumberland-Bastion


Die Magazine fassten über 2.500 Fässer Schiesspulver und die Befestigungen mit ihren Wällen, Bastionen und vorgelagerten Erdwerken schützten vor jeder nur denkbaren Gefährdung durch die Schottischen Clans. Die Baukosten waren astronomisch, sie lagen bei etwa 200.000 Pfund, etwa 1 Milliarde Euro nach heutiger Kaufkraft. Im Ergebnis entstand dafür die größte und stärkste Festung des damaligen Nordeuropa.

Ganz fertig gestellt war das Fort erst 1769, da gab es schon keinen Traum von der Rückkehr der Stuarts als Schottische Könige mehr und die Führer der Jacobiter fanden das Leben im Exil in Paris und Rom doch angenehmer als eines in den rauhen Highlands, während die Clans langsam „ausgesiedelt“ wurden und in den Kolonien neue Heimstätten finden mussten, ein Vorgeschmack auf das, was sich im 19. Jahrhundert mit der Vertreibung großer Bevölkerungsteile wiederholen sollte.

Fort George jedenfalls musste niemals einem Angriff standhalten, weder durch die Highlander noch durch französische Revolutionstruppen oder gar durch napoleonische Flottenverbände, auch wenn manch ein Festungskommandant das vielleicht als Test auf die Stärke der Anlage gar nicht ungerne gesehen hätte.

Noch immer in wesentlichen Teilen von der Armee genutzt, ist Fort George heute in nahezu unverändertem Zustand seit seiner Erbauung erhalten. Es ist in allen Außenanlage zugänglich und in geradezu phantastischem Zustand. Die Wälle sind noch immer bestückt mit einer großen Zahl Geschütze, nicht unbedingt aus der Zeit der Erbauung, aber doch ausschließlich als Vorderlader. Besucher können sich frei überall bewegen, es gibt ein kleines Museum, einen Verein, der in Originaluniformen Vorführungen abhält und natürlich die Möglichkeit, sich angemessen von den Strapazen der Wallumrundung zu erholen, und wenn man Glück hat, herrscht sogar gutes Wetter. Verkehrstechnisch gut angebunden wäre es für jeden Reisenden ein großer Fehler, sich hier nicht intensiv umzutun, es muss ja nicht gerade an einem Wochenende sein, wenn von überall her die Busse anrollen.

Trotzdem soll man nicht vergessen, dass das gesamte Festungswerk im Grunde eine Zwingburg gegen die schottischen Bestrebungen zur Unabhängigkeit ihres Landes war und von den Schotten auch mit entsprechender Bitterkeit wahrgenommen wird. Die für sie nach Abzug der englischen Besatzungen frei gewordenen Anlagen in Fort William und Fort Augustus jedenfalls sind so gründlich verschwunden, dass selbst auf ordentlichen Stadtplänen keinerlei Hinweis mehr auf sie zu finden ist.

„hängender“ Mörser – einer von vielen der Sammlung

Einige Beispiele aus der umgangreichen Bestückung des Fort Georg

Einige Beispiele aus der umgangreichen Bestückung des Fort Georg

Gesamtanlage Fort George (Bild: Historic Scotland Ltd.)

„Golf-Rasen“ im Hauptgraben

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