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Beton im Osten

Text und Bilder: G. Borchert und B. Ibisch

Nach der diesjährigen Jahreshauptversammlung fuhren drei Vereinsmitglieder weiter nach Osten, um im heutigen Polen doch auch etwas „Beton“ zu finden.

In der Zeit um 1888 wurden um die Stadt Breslau (Wroclaw) Infanterieuntertreträume in Ziegelgewölbeart erstellt. Ein Teil, insbesondere in der Weidestellung (benannt nach einem kleinen Fluss, der Breslau im Norden fast vollständig umfliest) wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkt und zu Infanteriestützpunkten ausgebaut. Da es in der Literatur nur spärliche Hinweise und kein aktuelles Kartenmaterial zur Weidestellung gibt, mussten wir mit Aufnahmen aus Google-Earth und hilfreichen Tipps und Kartenmaterial unserer Schweizer Vereinsmitglieder die Geländeerkundungen durchführen.

 

 

Polnischer Beobachtungsbunker bei Tapkowice (N 50° 26´34.61´´ E 19°1´16.91´´)



Beginnend im Westen, im Uferwald der Oder, fanden wir, stark gesprengt, den Stützpunkt Schwedenschanze. Am östlichen Untertretraum sind an den großen Bruchstücken das Ziegelgewölbe, die Sandfüllung und der Stampfbeton der nachträglichen Verstärkung im Querschnitt zu erkennen. 1200 m entfernt von diesem Stützpunkt liegt direkt östlich der Eisenbahn und der Durchgangsstraße 342 hinter einer Hausruine mit frisch abgebranntem Dach der Stützpunkt Oswitz. Der Untertretraum ist offen, der rechte Wachtraum existiert noch, ist allerdings in privater Nutzung und verschlossen.

Wiederum 900 m weiter ostwärts, von der neuen Autobahntrasse vermutlich gerade noch verschont, liegt der stark ausgebaute Stützpunkt Weide im frei zugänglichen Ödgelände. Hier sind die beiden Wachträume gesprengt, der Untertretraum erhalten.

Cirka 500 m weiter östlich davon befindet sich der Stützpunkt Haferberg (Owsianka) .Das Gelände wird als Munitionslager verwendet und von nicht englisch sprechendem Personal bewacht. Die am besten erhaltene Anlage der Weidestellung liegt weitere 700 m östlich direkt an der E 261. Der Wachtposten einer benachbarten kleinen Fabrikation bewacht von seinem Wohnwagen aus einige Palettenstapel vor unberechtigtem Zugriff – und damit leider auch den Eingang zum Stützpunkt. Wir konnten ihn nach langwierigen Verhandlungen mit Hilfe eines dicken deutsch-polnischen Wörterbuches und einigen Zloty-Scheinen von unserem berechtigten Interesse das Gebiet zu betreten überzeugen. Dieser Infanteriestützpunkt ist komplett erhalten. Die zur Feindseite betonierten Schützengräben, die beiden in den Schultern liegenden Wachträume und der große, nachträglich mit Beton verstärkte Infanterieuntertretraum sind jedoch stark von der Vegetation überwuchert.

Weidestellung: Stützpunkt Oswitz (N 51° 9´52.68´´ E 17° 0´0.22´´)
Wie bei den anderen verstärkten Anlagen wurde nicht nur die Decke verstärkt, sondern auch die Eingangsseite mit einer neuen vorgesetzten Betonwand (Dicke 1 Meter) geschützt. In ihr sind von innen verschließbare Lüfterbleche eingelassen und die Eingänge führen so versetzt ins Innere.

Trotz intensiver Suche fanden wir die nächsten, wiederum weiter 1 km östlich (Stützpunkt Pohlanowitz) und dann den 2 km weiter nördlich der Landstraße 353 gelegenen Stützpunkt Bischwitz nicht. Gemäß einer Kartenskizze aus der Erbauungszeit sollte er direkt an der Weide liegen. Entweder wurde der Lauf der Weide zwischenzeitlich begradigt und so weit nach Norden verlegt oder die Bauten wurden bei der Anlage eines großen Militärübungsplatzes komplett beseitigt. Trotzdem ist das Gelände mit verschiedenen Übungsteilen (Häuserruinen, Schützengräben) und zwei großen Pionierbrücken, die über die Weide führen, sehr interessant.

Am nächsten Tag ging es nach der Besichtigung des „Partisanenhügels“ (früher Liebichshöhe, Hauptquartier der Festung Breslau 1945), direkt am nassen Graben der südöstlichen Ecke der Stadtumwallung Breslaus gelegen, über Kreuzburg nach Oberschlesien.

Da wir aufgrund vorheriger Aufenthalte in Polen die Unterkunft nicht in Industriestandorten gewählt hatten, kamen wir in Piekary Śląskie, einem bekannten Wallfahrtsort Polens, unter. Das abseits der Durchgangsstrasse gelegene empfehlenswerte Hotel Pałac Wiśniewsk mit Restaurant liegt direkt neben einem großen Park mit Wallfahrtskirche und Kapellen der Kreuzwegstationen. Bereits um 6 Uhr morgens weckt der Klang der Glocken die Gläubigen, um die acht Messen pro Tag zu nicht zu versäumen bzw. ermahnt die Bunkerforscher, den Tag im Gelände ausgiebig zu nutzen.

Im Fremdenverkehrsbüro, mit freundlichem, Deutsch und Englisch sprechendem Personal, fanden wir dann noch die entsprechende Literatur. „Fortyfikacje Obszaru Warownego Śląsk“ erfreut auch den Sprachunkundigen durch seine Bilder und Zeichnungen sowie die Skizzen, die ein Auffinden der Bunker im Gelände erlauben. Sodann überreichte man uns noch eine touristische Karte im Maßstab 1:100.000 des nördlichen Teils der Woiwodschaft Schlesien mit eingezeichneten deutschen und polnischen Bunkern. Vom Leiter des Büros, Herrn Gacek, erhielten wir auch entsprechende Hinweise auf die deutschen Verstärkungsausbauten des Jahres 1944, die eher dem Verlauf der polnischen Befestigungslinie folgen, als dass sie die deutsche Oberschlesienstellung verdichten.

Ein großes Feld nordwestlich der Straßenkreuzung Kozlowa/Wymyslow ist gespickt mit Einmannbunkern mit Deckenschutz. Folgt man der Strasse nach Wymslow über die Staumauer eines künstlichen Sees, so erreicht man eine Bunkergruppe bestehend aus drei Anlagen, dessen größte Kassematte (mit MG-Panzerturm) erhebliche Sprengschäden aufweist. Hier übte die Sturmgruppe Granit den Angriff auf Eben-Emael.

Luftlinie 1,5 km südlich befindet sich der Museumsbunker der Gruppe “pro fortalicium“, der im Regelfall nur am Wochenende geöffnet ist und aufgrund der Innenausstattung unbedingt besichtigt werden sollte. Der Vorsitzende der Vereinigung pro fortalicium, Herr Piedrucha begrüßte uns zur außerplanmäßigen Besichtigung und wies uns noch auf zwei sehr sehenswerte Befestigungsabschnitte hin.


Polnische Dreischartenturmdoppelanlage (N 50° 20´23.9´´ E 18°59´47.51´´)

Zum einen war dies das Gebiet zwischen Stausee und dem Regionalflugplatz Kattowice. Schwerpunkt sind hier Bunker mit jeweils einem Beobachterturm und einem MG-Schartenturm um die Ortschaft Tapkowice und Kasematten mit MG-Scharten und je einem MG-Schartenturm östlich davon. Alle Bunker sind intakt erhalten und stehen auch offen. An der Anlage östlich von Tapkowice weitab der Bebauung, neben der Landstraße, weist der Turm einen glatten Durchschuss auf, alle anderen Anlagen weisen keine größeren Kampfspuren auf.

Ein weiteres interessantes Ziel für eine Exkursion ist das Gebiet südwestlich der Ortschaft Dabrowka. Hier wurde das 1939 vorhandene Grabensystem auf einer großen ebenen Fläche mit einer Vielzahl von Kleinstanlagen mit 3-Scharten Panzertürmen verstärkt. Nur an den beiden Straßen, die genau in Ost-West Richtung verlaufen, befinden sich größere Anlagen mit 3-Schartenturm und Geschützscharte für Feldgeschütz. Sie hatten die Aufgabe, die Straßen aus Westen zu sperren und waren im Baumbestand parallel der Straßen auch besser zu tarnen. Die Zahl der Panzertürme auf engstem Raum, einmal sogar zwei 3-Schartentürme Rücken-an-Rücken gesetzt, um einen Wirkungsbereich von 360° zu erreichen, ist beeindruckend. Aber dieser Aufwand steht in keinem Verhältnis zu den Schutzräumen der Grabenbesatzung. In einer Geländevertiefung ist, zentral gelegen, ein splittersicherer Unterstand mit zwei Räumen und vorgelagertem Korridor improvisiert (?) worden.

Die Oberschlesienstellung des Deutschen Reiches wurde nicht als Linie, sondern nur aus Stützpunkten bestehend errichtet. Da diese Stützpunkte im Jahre 1939 entstanden, wurden schwerpunktmäßig die vom Westwall bekannten Regelbauten 105/107/111/116 sowie Sonderkonstruktionen unter Verwendung einer Vielzahl von tschechischen Panzerteilen gebaut . Bestes Beispiel ist der Stützpunkt bei Wilkowice/Zbrolowice. Soweit sich die Anlagen nicht in der Ortslage befinden, sind sie offen und zugänglich. An der teilweise nicht erfolgten Anschüttung und den teilweise noch fehlenden Turmeinbauten und Panzerplatten ist ersichtlich, dass die Arbeiten vorzeitig beendet wurden.

Bunker Oberschlesienstellung: Regelbau 111 südlich Wilkowice (N 50° 25´39.57´´ E 18°46´2.85´´)

Fazit: Die Fahrt hat sich gelohnt und kann auch anderen Mitgliedern empfohlen werden. Angesichts der langen Anreise und der Vielzahl der Besichtigungsobjekte sollte man aber einige Tage länger bleiben, als es uns aus Termingründen möglich war.

Kartenauszug mit freundlicher Geneh-migung des Frem-denverkehrsbüros in Piekary Slaskie
Literaturempfehlungen:

von Ahlfen/ Niehoff: So kämpfte Breslau, Motorbuch Verlag, Neuauflage 1994, ISBN 103879434794

Fuhrmeister: Der Ostwall, Motorbuch Verlag, 2008 ISBN 9783613029521 Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen

Hrsg. Pro Fortalicium: Fortyfikacje Obszaru Warownego Śląsk, 2006, ISBN 839226162

Rolf: Die Entwicklung des deutschen Festungssystems seit 1870, 2000, Fortress Books, Tweede Exloermond

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