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Es gibt kein Bier im Fort IV. Ein Bericht zur Mitgliederversammlung 2011

Text und Bilder: Florian Brouwers

Schon die Vorbereitung ließ ahnen, dass nicht alles Gold ist was glänzt. Das Hotel war nur mit professioneller Hilfe aufzutreiben, die Restaurantbetriebe in Swinemünde verdienen diesen Namen noch längst nicht alle und die Frage: “Wie ist die Mückenlage?“ konnte schon Wochen vor unserer Ankunft nur mit: “Hervorragend!“ beantwortet werden. Leider sind wir kein Anglerverein.
 

Dass am Treffpunkt des Zubringerbusses in Berlin gerade ein Bierlauf stattfand, dessen einzige Aufgabe im Leeren eines Kastens Bier während der Umrundung eines festen Kurses bestand, war nur für die auf den Bus Wartenden schwierig. Die Teilnehmer würgten an jeden zweiten Baum das eben erst hinuntergespülte Getränk wieder heraus und fanden erkennbar nichts dabei – es waren 320, im Schatten, nicht im Bier.

Trotzdem dürften alle Tagungsteilnehmer mehrheitlich kaum Einschränkungen bemerkt haben, so soll es ja auch sein. Alle orientierten sich auf ihrer oft weiten Anreise irgendwie richtig, waren pünktlich zum ersten gemeinsamen Essen versammelt und fanden sowohl ihre Zimmer als auch die Verpflegung schon mal gut. Damit war die erste Hürde genommen, denn wenn das nicht stimmt, ist die Laune nur noch schwer zu retten. Der gemeinsame Abend verlief ungehemmt fröhlich und auch das vorbereitete Programm für die mitreisenden Damen fand deren erwartungsvollen Beifall.

Zum ersten Programmtag standen Bus und Beteiligte pünktlich vor dem Hotel. Erstes Ziel war Fort II (Fort Gerhard), an dessen Pforte sowohl unser heutiger Fremdenführer, Herr Wichrowski, als auch ein Mensch in einer deutschen (?) Uniform stand, der uns bedeutete, dass vor dem Eintritt in die Festung zunächst zu exerzieren sei. Mühsam ließ man das über sich ergehen. Geschrei und Ausrichten und Abzählen ist unsereiner ja nicht mehr so recht gewöhnt. Na ja, der Rest war aber sehenswert, denn dort ist seit den letzten Jahren viel Arbeit geleistet worden. Die vorgesehene nächste Besichtigung musste dann programmwidrig einem Überraschungsbesuch des Leitturms der Batterie Goeben geopfert werden, nur heute und nur jetzt war die Zufahrt dorthin mit dem Bus möglich, morgen hätten wir laufen müssen. Also gut, dann lieber so. Der Geschäftsführer kannte die Sache schon und fuhrwerkte stattdessen in einem naheliegenden Sumpf herum, damit morgen ein trockener Weg hindurch und zur Forstbatterie leichter zu finden sei.

Wegen der noch immer schwierigen Bestimmung, dass die Fähre in der Stadt Swinemünde nur einheimischen Fahrzeugen offen steht, verließ der Trupp nach Besichtigung des zum Feuerwachturm umgebauten Leitstandes schon im Swinemünder Hafen seinen schützenden Bus, begab sich als Fußgängersammlung auf’s Schiff und schlug den Weg zum Fort III (Engelsburg) per pedes ein. Unser Leihwagen nahm derweil sowohl den großen Umweg über die südliche „Allgemeinfähre“ als auch die dort fast einstündige Wartezeit auf sich und sollte uns später wieder einsammeln.

Herr Wichrowski führte die Neugierigen derweil wacker durch die baulichen Sehenswürdigkeiten fortifikatorischer Art auf der Westseite der Swine und, fast, pünktlich in das vorgesehene Restaurant im Fort IV zum Mittagessen. Dort also geschah es dann. Wer „PIWO“ rief oder Bier bestellte, egal, er bekam die gleiche Antwort:“Wir haben leider noch keine Konzession, es gibt nur alkoholfreies Bier!“ Nun war das angesichts der zweiten Tageshälfte ja eigentlich keine so ganz abwegige Idee, aber da kennt man die INTERFEST schlecht. Gebrumm, Protest, Gelächter, ein wenig Ärger und ein paar launige Vergleiche, warum nun das Gewünschte mit dem Angebotenen so gar nicht zu ersetzen sei. Dann kam das Essen und der Lärm legte sich. Manch ein Protestler erwischte zum Dank zwei Nachspeisen statt einer und da ging es eben auch mal so.

Nach der Besichtigung von Fort IV sollte der für Organisatoren wie Teilnehmer spannendste Teil des Tages kommen: Bootsfahrt zur Mellin-Halbinsel samt gleichnamiger Flak-Batterie. Die Vorstellungen, was ein „Boot“ ist, waren unterschiedlich, nur dass jedes eine Anlegestelle braucht, war einheitliche Ansicht. Es gab aber keine. Es gab auch kein Boot. Es gab nur das Wasser. Nachdem einige Wartezeit lang jedes schwimmende Fahrzeug mit Jubel begrüßt wurde, kam endlich etwas, aber da war für Jubel schon keine Luft mehr. Es sah aus wie ein Angelkahn, so etwa für drei Angler, zwei Ruder oder einen Motor. Es fasste aber tatsächlich doch sechs Passagiere, den Fahrer, ein Motörchen, Ruder, Leinen und keinen Rettungsring inclusive. Der Geschäftsführer weiß jetzt auch, warum der aus dem Wasser ragende Rest eines Schiffes „Freibord“ heißt: Wenn man seiner ansichtig wird, muss man frei von Angst jeder Art sein. Nach den ersten Übersetzfahrten gesellten sich weitere zwei solcher Gefährte dazu und die Sache ging etwas flotter, nur flotter, nicht besser.

Dafür war die zu besuchende Batterie eindrucksvoll, die Landschaft herum auch, die Laune gut und die Füße nass. Eines der Boote hatte ja ein Loch, unterhalb des Freibordes natürlich. Es war jenes, in dem der Präsident saß – vorbildhafte Haltung!

Nach der Rückfahrt, siehe oben, war das erste Tagesprogramm erledigt und die Mitfahrer auch, letztere zusätzlich noch dreckig und, teilweise, zerstochen. Dafür fand das Abendessen großen Anklang, vermutlich weil es reichlich und schnell und kalt auch Bier dazu gab. Endlich.

Am zweiten Tag fuhr uns ein anderer Bus mit einem anderen Fahrer von einem anderen Betrieb, kleine Umorganisation der Busmenschen untereinander, nicht weiter aufregend, hieß es. Na meinetwegen, zum ersten Tagesziel, dem vortags markierten Sumpf-Weg, fand man noch ganz gut. Dort also alle Mann nochmal eingewiesen und mit der dringlichen Bitte versehen, sich hinter dem Geschäftsführer zu halten, weil dann der Weg eindeutig, halbwegs sicher und relativ kurz sei. Die Mitglieder des Studienkreises, das war ja jedem klar, pflegen nach der Aufforderungen, hintereinander in einer Reihe zu gehen, sofort in den Flächenmarsch auseinander zu schwärmen und allenfalls aus den krachenden Geräuschen im Unterholz noch ihren Standort preiszugeben. Über die unmittelbar von Wasser bedrohte Strecke ging es ja noch, danach war aber jeder freiwillig seines Glückes Schmied und nicht jeder kann eben schmieden. So wurde der pampige Untergrund für manch einen kurzzeitig zur Liegewiese, Sträucher wurden in Halteseile umfunktioniert und selbst Bäume zog man an sich in der Hoffnung, dort jenen Halt zu finden, den die Füße soeben verloren hatten. Nicht jeder Baum ließ das aber mit sich machen, ein eher trockener legte sich faul auf den Haltsuchenden und riss ihn mit sich zu Boden. Jedenfalls das, was man dort so Boden nennt.

die Anaconda im polnischen Sumpfgebiet

Trotzdem kamen alle irgendwie am Ziel „Forstbatterie“ an und später auch wieder von dort weg. Einigen sah man allerdings doch an, was es heißt „ein dreckiger Typ“ zu sein. Die schöne Sonne und das direkt um die Ecke liegende nächste Ziel ließen aber solche Dinge schnell vergessen. Die moderne Batterie Osternothafen sowie die in der nahen Umgebung versteckten kaiserlichen weiteren Hinterlassenschaften sorgten für angemessene Beschäftigung und wegen ungewöhnlich disziplinierter Besichtigung war vor der Mittagspause sogar noch Zeit zum Besuch der V3-Testanlage.

Der Nachmittag war für die Begehung des großen Batteriegeländes „Goeben“ vorgesehen. Geplant war, die Meute am Straßenrand auszuladen, quer durch das Batteriegelände zu wandern und etwas weiter südlich in der Flakbatterie „Pritter“ wieder auf den Bus zu treffen. Leider war zu bemerken, dass dessen Fahrer weder eine Landkarte lesen noch gar einen bestimmten Punkt darauf neben der Straße finden konnte. Was war zu tun? Also ausladen, kurz einweisen, mit dem Bus zurück zum späteren Treffpunkt gondeln und von dort zu Fuß durch den Wald der Gruppe entgegeneilen. Das Risiko, dass sich die Besucher im Wald verliefen, musste eingegangen werden. Der zurückeilende Geschäftsführer hätte hier gerne auf weitere Präsidiumsmitglieder zurückgegriffen, die waren aber irgendwie abhanden gekommen. So turnte alles durch das Gehölz und traf sich nach einigen Umwegen dann aber doch glücklich und vollzählig etwa an der vorgesehenen Stelle.

Das weiträumige Gelände wurde von allen gebührend bestaunt und von einigen nahezu kahl geschlagen, den vielen Fotos zuliebe, die entstehen sollten. Bäume sind da mitunter hinderlich.

Haben Sie schon mal einen Wegweiser gesehen, der mitläuft?

Am Ende der Strecke angekommen, fanden wir auch den Bus vor, nur merkwürdig niedrig sah er aus. Beim Näherkommen bemerkte man auch irgendwie fehlende Hinterräder. Ganz nah war es dann gut zu erkennen: Er hatte sich mit der Hinterachse bis auf das Bodenblech in den Sand gegraben, feiner Fachmann. Ihm wurde leicht unwillig bedeutet, dass er jetzt eine Stunde Zeit hätte die Sache zu bereinigen. Dann würden 32 wüste und gewaltbereite Menschen einsteigen und zum Abendessen fahren wollen.

Wie auch immer er es schließlich geschafft hat, er war tatsächlich raus aus dem Loch, wir waren zur rechten Zeit im Hotel, unter der Dusche, zum Abendessen und zur Mitgliederversammlung.

ein Bus am Boden
Dem Geschäftsführer fielen eine ordentliche Reihe Steine vom Herzen, ein paar Zecken aus den Klamotten und wie der Rest des Abends verlief, entnehmen Sie jetzt bitte dem auf der nächsten Seite folgenden Protokoll.

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