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Bericht zur Exkursion der Fachgruppe VI am 13.10.2013

Text und Bilder: Andreas Boy

In Kleinstgruppenstärke trafen sich die aus allen Richtungen des Landes gekommenen Freunde der Maginotlinie am Parkplatz des Infanteriewerkes Rohrbach an einem bewölkten und kalten Oktobermorgen. Nach kurzer Einweisung ging es von dort nach Guising.

Dies ist ein überschaubarer Ort, nur etwa einen Kilometer nördlich des Werkes Rohrbach. An der Straße nach Rimling gibt es dort einen Vorpostenstützpunkt, den wir mit drei Bunkern vorgefunden haben. Einer davon stand unter Wasser, der Zweite war gesprengt und der dritte Bunker konnte besichtigt werden. Er bestand aus einem großen Raum für Maschinengewehr mit Sehrohröffnung. Die Scharten waren auf der Innenseite gesprengt. Die Vorposten sind hier wohl geländebedingt sehr dicht an der Hauptkampflinie. Die Werke der hier verlängerten Maginotlinie wurden auch erst gegen 1938 gebaut. Der nächste Vorpostenstützpunkt wurde westlich von Hottviller bei der Neumühle aufgesucht. Hier stoßen zwei Täler zusammen, so dass man die Straßen durch Brückensprengungen sperren wollte. Gut versteckt fanden wir am Waldrand einen gut eingebauten MG-Stand, dessen Hauptscharte Richtung Hottviller wirkte. Der Bunker hatte noch seine Tür und Teile seiner Ausrüstung. Besonders bemerkenswert waren über der Scharte einbetonierte Rundeisen, die so angeordnet sind, dass man dort Tannenzweige etc. zur Tarnung auflegen konnte. Interessant war auch, dass der Bunker mit einer 4er Festungsfernsprechvermittlung ausgestattet war. Ein sehr sehenswertes Bauwerk. Am Petersberg gab es drei weitere Anlagen zu entdecken. Es handelt sich dabei um einen kombinierten MG/Pak-Stand, dessen Hofseite leider übererdet ist, einen Beobachter und einen runden MG-Bunker. Diese Anlagen standen hoch über dem Tal und konnten so den feindlichen Anmarschweg beherrschen.

Block 1 des Werkes Rohrbach

Nur etwa zwei Kilometer südlich stößt man auf die Hauptkampflinie mit den starken Kasematten Seelberg. Hier hätte nach den ursprünglichen Plänen eine Werkgruppe mit sieben Bunkern gebaut werden sollen. Nicht gebaut wurde ein Panzerturm Zwillingsgeschütz 75 R 32, ein Panzerturm Zwillingsgranatwerfer 81, ein Panzerturm Zwillingsmaschinengewehr, ein Mannschaftseingang und ein Munitionseingang. Wenn man das Gelände dort sieht, kann man sich dieses Werk dort gut vorstellen. Das Wetter war jetzt auch sonnig und nicht mehr kühl. Das Schussfeld wäre gut gewesen. Die Eingänge hätten wohl Richtung Petit-Réderching gelegen. Aber auch die beiden gebauten Kasematten sind eine Besichtigung wert. Sie haben das Format eines Infanteriewerkblockes. Die Eingänge sind so gestaltet, dass man sie hätte zubetonieren könnten, wenn sie an den Hohlgang angeschlossen worden wären. Die Treppenhäuser wurden schon gebaut und führen 30 Meter nach unten, wo sie blind enden.

30 Meter unter der Erde am Fuß der Treppe der Kasematte Seelberg OstDie Kasematte Seelberg West ist etwas besser erhalten als ihre Schwester im Osten. Allerdings ist dort der Fuß des Treppenhauses abgesoffen, während man bei der östlichen Kasematte bis ganz nach unten gehen kann, wo dann etwa noch 35 cm Wasser stehen.

vor dem Eingang der Kasematte Seelberg WestNächster Besichtigungspunkt war die Kasematte Judenhof. Es ist eine klassische alte Doppelinfanteriekasematte nach der Richtlinie vom 23. Juli 1930. Auch diese Kasematte liegt sehr schön auf dem Plateau nordöstlich Petit-Réderching. Dort lag auch unser nächstes Ziel, nämlich die Kasematten Petit-Réderching Ost und West. Diese fanden wir verschlossen vor. Jugendliche haben sie vom Eigentümer gepachtet, etwas hergerichtet und nutzen sie für Softairschießen. Glücklicherweise war gerade einer da und öffnete uns freundlich die Tür, so dass wir beide Kasematten, die durch einen kurzen Hohlgang auf dem Niveau des Untergeschosses miteinander verbunden sind. Die Jungs haben die Bunker gesäubert, stellenweise gestrichen und mit Licht versehen. Die Anlagen sind noch in gutem Zustand und würden sich aufgrund dessen und der unterirdischen Verbindung ideal als Museum eignen. Weiter ging es nach Westen zu den Kasematten Sinnesberg Ost und West. Auch diese liegen sehr schön und bildeten ursprünglich das westliche Ende des Festungsgebietes Lauter.

Der Zustand der frei zugänglichen Kasematten kann als gut bezeichnet werden. Mit dem Gesetz vom Juli 1934 wurden weitere Mittel für den Festungsbau bewilligt. Im Rahmen dessen wurde die Maginotlinie dann an dieser Stelle auch bis an die Saar verlängert, allerdings wurden die ehrgeizigen Pläne mit Artilleriewerken verworfen, so dass drei Infanteriewerke und zehn Infanteriekasematten entstanden. Allerdings wurden diese Anlagen deutlich verbessert. Es gab jetzt Kugelkopfscharten in den Schartentürmen und Nahverteidigungsscharten, die Eingänge waren besser geschützt, da die Panzertür im Innern hinter einer Schikane eingebaut wurde. Außerdem wurden Kom-binationswaffen3 eingebaut. Die Kasematten waren auch größer und boten so mehr Platz für Mann und Material. Bei den späteren4 Modellen gab es die versetzte Anordnung der Scharten der Infanteriekampfräume.

So ist es auch bei der Kasematte Rohrbach Bahnhof, die wir als nächste besichtigten. Sie bildet die Verbindung zwischen der „alten“ Maginotlinie westliche Bitche und dem Infanteriewerk Rohrbach.

Auch diese Kasematte ist noch recht gut erhalten, da sie mitten in einer Weidelandschaft liegt. An ihr kann man die Struktur einer Anlage der „neuen Fronten“ studieren. Leider stand das Untergeschoss unter Wasser.

Der Abschluss fand wieder am Infanteriewerk Rohrbach statt, wo sich der Kreis dann schloss. Von außen besichtigten wir Block 1 und Block 3.

Der Verein, der sich um diese Festung kümmert, leistet hervorragende Arbeit. Es ist eines der am besten restaurierten Werke der ganzen Maginotlinie. Ein Besuch lohnt sich unbedingt. In der Abendsonne war es dort so schön, dass wir gerne noch geblieben wären, gegen 18:00 Uhr wurde dann aber die Heimreise angetreten.

Baujahr 1931 - Eingang der Kasematte Sinnesberg West  
Kasematte Rohrbach Bahnhof
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