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  • Zitadelle Spandau, Berlin
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  • Ehemalige Batterie Boutelle, San Francisco, USA
  • Artilleriewerk Opera 7 des Vallo Alpino, Monte Croce Comelico, Sbarramento Alto Padola Cresta di Vallorera, Karnische Alpen, Italien
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  • 38,1 cm Kanone der 43. Batería Punta Paloma Alta, Tarifa, Spanien
  • Postazione M2 des neuen Vallo Alpino, Passo di Tanamea, Italien
  • Bogendeckung für Kampfflugzeuge auf dem ehemaligen sowjetischen Flugplatz Brand, Brandenburg

Deutscher Hartguss in südlichen Gewässern

Text und Bilder: Florian Brouwers

Man muss in der Welt nicht lange suchen, um festungstechnische Bauformen und Ausrüstungen zu finden, die ihren Ursprung bei uns zu Hause haben. Das beginnt bei den staufischen Burgen im Nahen Osten und endet noch lange nicht bei Krupp’schen Geschützen an vielen Standorten rund um den Globus. Trotzdem sind inzwischen viele wegweisende Entwicklungen dem Zahn der Zeit oder dem Unwillen, überhaupt für deren Erhaltung zu sorgen, zum Opfer gefallen. So dürfen mittlerweile einige Objekte für sich in Anspruch nehmen, nur noch in einem oder zwei Exemplaren zu existieren. Eines davon ist der aus Magdeburger Hartguss bestehende Geschützturm der Firma Gruson für zwei Krupp-Kanonen im Kaliber 40-cm L/35.

 



Zwei Stück dieser Giganten wurden einst in La Spezia und Tarent installiert, aber bis heute überlebt hat nur der in Tarent, wo er auf der vorgelagerten Festungsinsel San Paolo ein stabiles aber doch betrübliches Dasein fristet.

Vor einigen Jahren hat die italienische Marine wie andere Streitkräfte auch ihre Präsenz an den Küsten des Landes stark eingeschränkt und dabei viele der früheren Stützpunkte aufgegeben. Die meisten davon fielen schon bald nach dem Wegfall regelmäßiger Bewachung und Kontrolle dem verbreiteten Vandalismus zum Opfer. Nicht so jedoch im Golf von Tarent, wo es eines Schiffes und entsprechender Transportmöglichkeiten bedurfte, um sich an den zurückgelassenen Ausrüstungsgegenständen zu vergreifen.

In einem Bereich wie dem Militärhafen von Tarent, der nach wie vor durch mitunter lebhafte Aktivitäten der Marine gekennzeichnet ist, war das nicht möglich

Hier kommt jetzt dem Interessenten zugute, dass die größere der beiden früher gesperrten Inseln - San Pietro - über einen vorzüglichen Badestrand verfügt, der während des Sommers von den Einheimischen gerne aufgesucht wird. Wer den etwas mühsamen Weg des frühzeitigen Erwerbs einer „Eintrittskarte mit Schiffspassage“ bewältigt, kann dort einen sehr beschaulichen Tag im Liegestuhl unter Pinien verbringen.

Der Hartgussturm auf San Paolo mit dem später danebengesetzten Beobachtungsstand

Wer das nicht will, kann versuchen, die Insel auf festungshistorische  Baulichkeiten hin zu untersuchen. Davon gibt es eine große Anzahl, darunter seltene Ausrüstungen wie Scheinwerfer, Entfernungsmessstände und Batterien. Leider ist es nicht erlaubt, den Badebereich zu verlassen. Tut man es trotzdem, sind eine gewisse Umsicht und im Falle des Falles ein paar freundliche Bitten um Nachsicht mit dem unwissenden Touristen erforderlich. Nur im noch immer betriebenen Radio- und Funkbereich darf man nun wirklich nicht herumlatschen. Libyen lässt grüßen.

Das heimliche Ziel des Interesses ist aber die kleinere der beiden Inseln, das völlig verlassene Eiland San Paolo, denn dort kann man ihn schon von der Stadt aus auf seinem gewaltigen Batterieblock liegen sehen, den Gruson-Hartguss-Turm, das letzte Exemplar seiner Gattung. Leider wollten die Fischer im Hafen den Touristen weder für Geld noch für gute Worte dort hinausfahren und das Anmieten eines Schiffleins scheiterte am fehlenden Bootsführerschein. Es blieb nur der direkte Wasserweg und der ist doch etwas günstiger als er aus der Ferne aussieht.

Der Kehlgraben des Batteriekomplexes um den Gruson-Turm
Die Batterie Ammiraglio Aubry - 4 x 149 mm Geschütze

Im Zuge der Armierung des gesamten Hafenbereichs hat man im 19. Jhdt. zwischen dem Festland und der Insel San Pietro einen mehrere Kilometer langen Schutzdamm aus Betonwürfeln errichtet. Kein richtiger Weg ist das, sondern einfach nur so hingeworfene Brocken, bis die obersten aus dem Wasser guckten. Für ein nachhaltiges Schiffshindernis reicht es aber doch. Ein vergleichbares Werk von gut 700 m Länge ist danach auch zwischen den beiden Inseln entstanden und das kann man nutzen. Die Schwimmstrecke im lauwarmen Wasser zu durchmessen dauert seine Zeit, ist aber zu meistern und die Mühe lohnt sich ja sehr. Die Logistik sollte aber wenigstens das wichtigste Gerät in wasserdichten Behältern transportierbar machen. Man kann sich dann auf der Insel völlig frei bewegen (wenn nicht gerade mal ein kurzer Marinebesuch stattfindet).

Fünf Batterien sind zu besichtigen, zwei Scheinwerferstände mit ihren Leuchten, ein gepanzerter Beobachter, viele Einrichtungsdetails, Magazine, Verwaltungsgebäude und Schrott fast jeder Art und Größe bis hin zu Eisenbahnwaggons, von denen man nicht glauben will, dass sie auf einer derart kleinen Insel gebraucht wurden.

Für den Rückweg gilt das Gleiche wie für den Hinweg: Umsicht und Freundlichkeit verhelfen auch unbedarften Besuchern zu sehr eindrucksvollen Erlebnissen.

Verwunderlich bleibt aber, dass rund um die Inseln eine Vielzahl von Booten ankert, deren Insassen ein genüssliches Badeleben nur wenige Meter neben den Militäranlagen zelebrieren. Es scheint wohl doch nicht alles so streng gehandhabt zu werden ...

Für mehr und viel, viel bessere Informationen sollten Sie jetzt nur noch das Sonderheft 9 des Studienkreises erwerben, in dem der gesamte Bereich und vieles mehr in eigenen Kapiteln sehr ausführlich bebildert und beschrieben ist.

Titelbild: San Paolo, drei der vier Scharten der Flankierungsbatterie des Gruson-Turmes im Kaliber 152/40

Zwischen Dornen gut verborgen: Der gepanzerte Beobachter
INTERFEST-Jahrestagung 2018
Antwerpen
07. bis 09. Mai


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