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Die Peenemünder Schanze

Text und Bilder: S. Höbig

Was die Lösung des letzten Festungsrätsels angeht, sei hier gesagt, dass es sich um die „Peenemünder Schanze“ in Peenemünde handelt. Der Ortsname dürfte den allermeisten an Militärgeschichte Interessierten aufgrund der ehemals dort befindlichen Versuchsanstalten des NS-Regimes zweifellos ein Begriff sein. Dass dort unter anderem auch die sogenannte V2 erprobt wurde, gehört beinah schon zur Allgemeinbildung. Dass jedoch die fast unmittelbar hinter dem Dokumentationszentrum gelegenen Reste der Peenemünder Schanze auch in Festungsforscherkreisen mindestens weitestgehend unbekannt sind, könnte mehrere Gründe haben.

 

Zum einen ist das Werk sehr klein und fernab größerer Ortschaften (wozu man auch Peenemünde nicht zählen kann) in eine sehr unübersichtliche und stark verkusselte Landschaft eingebettet. Zum anderen hat es bislang auch kaum Erwähnung in ansonsten sehr akribisch recherchierten Übersichtswerken der heutigen Zeit gefunden. Selbst im sichtlich um Vollständigkeit bemühten und als Übersichtswerk durchaus zu empfehlenden Buch „Festungsbau an Nordsee und Ostsee“ von Frank Gosch wird es nicht erwähnt. Immerhin findet sich in Rudi Rolfs Werk „Die Entwicklung des deutschen Festungssystems seit 1870“ auf Seite 170 das Zitat:

„Anhang 13. Peenemündung
1848 Verstärkung aller Befestigungen
1867-1868 Ständiger Ausbau derselben
1884 Aufgelassen
Was historische Primärquellen angeht, sucht man im sonst unumgänglichen „Geheimen Staatsarchiv“ in Berlin-Dahlem vergebens nach einem Plan zu der Anlage oder seiner Umgebung, was vermutlich der Hauptgrund für seinen geringen Bekanntheitsgrad sein dürfte. Ich selbst erhielt auch nur durch Zufall Kenntnis von seiner Existenz, indem mich eines Tages durch einen vorübergehend in Peenemünde arbeitenden und durch seine langjährige Tätigkeit im Fort Grauerort vorgeprägten Freund unverhofft vielversprechende Bilder erreichten.

Das Wenige, was in der einschlägig bekannten histori-schen Literatur über die kleine Schanze zu finden ist, soll hier nun zusammengetragen werden, um eine kleine mutmaßliche Wissenslücke auf dem weiten Feld der Festungsforschung zumindest zu verengen und Anregung für eventuelle weitere Nachforschungen zu sein. Genau genommen fand ich eigentlich nur in Frobenius Werk zur Geschichte des preußischen Ingenieur- und Pionier-Korps eine konkrete Erwähnung der Schanze. In Kapitel IV des ersten Bandes, welcher die durch die Einführung der gezogenen Kanonen erforderliche Neuorganisation des deutschen Festungssystems 1860/61 behandelt, wird deutlich, dass man sich aufgrund finanzieller Engpässe zunächst nur auf „kleine Korrekturbauten“ beschränkte.2 Erst am 19. Juni 1865 erging eine Kabinetts-Order, in welcher in acht Punkten die zunächst vordringlichsten Neubauprojekte in den preußischen Festungen festgelegt wurden. Unter Punkt acht heißt es dort:

„8. Die Peenemünder Schanze ist in permanenter Weise auszubauen.“3 Gleich im Anschluss heißt es jedoch: „Die 3 letzten Punkte sind unter Berücksichtigung der inzwischen mehr in den Vordergrund getretenen Notwendigkeit des Küstenschutzes hinzugefügt […] worden. Ehe aber die hier angeordneten Maßnahmen über das Stadium der Vorarbeiten hinauskamen, unterbrach sie der Krieg von 1866 und veränderte die Situation derart, daß ihre Ausführung zum Teil als unnötig aufgegeben wurde.“4

Welche der dort genannten acht Projekte konkret aufgegeben wurden, wird in obiger Quelle zunächst nicht ersichtlich. Erst deutlich später wird in Kapitel VIII, welches das „Festungswesen in den sechziger Jahren“ behandelt, klargestellt, dass im Jahre 1866 120.000 Taler, im Jahre 1868 500.000 Taler und in den Jahren 1869 und 1870 sogar jeweils 1.500.000 Taler für die Küstenbefestigung bewilligt wurden5, „und es ward deshalb die Wiederherstellung der alten Zitadelle von Memel und der Bau eines Forts auf der Kurischen Nehrung, bei Pillau die Herstellung eines Forts westlich des Tief begonnen und die Peenemünder Schanze permanent ausgebaut.“6

Von den bewilligten Geldern entfielen 1.400.000 Taler auf den Ausbau von Swinemünde und Peenemünde7, wobei unterstellt werden kann, dass die Kosten für die Peene-münder Schanze im Vergleich zum Ausbau Swinemündes eine Marginalie dargestellt haben dürften.

Eine Ortsbesichtigung ergab, dass es sich bei den erhaltenen Resten der Schanze um zwei nebeneinander liegende, aber nicht miteinander verbundene Schutzhohlräume handelt, welche in einen nahe des Ufers des Peenestromes gelegenen Wall eingebettet sind. Beide Räume besitzen einen rechteckigen Grundriss und liegen mit ihrer Langseite parallel zur Peene. Der linke Raum besitzt eine Grundfläche von 6,70 Metern Breite und 2,80 Metern Tiefe, währen der rechte Raum mit einer Tiefe von 2,85 Metern und einer Breite von 4,12 Metern etwas kleiner ist. Jeweils ganz links ist an der landseitigen Langseite der Räume ein kleiner Korridor von jeweils 1,40 Metern Breite und 2,60 Metern Tiefe angehängt, wodurch beide Räume einen L-förmigen Grundriss erhalten. Die beidseitig von schräg abfallenden Stützmauern für das schützende Erdreich flankierten Eingänge der Räume münden in diese Korridore. An der Frontwand des linken Raumes konnte eine Wandstärke von einem Meter gemessen werden. Beide Räume weisen eine Raumhöhe von 2,60 bis 2,65 Metern Höhe und flache Decken auf, welche aus Doppel-T-Trägern mit dazwischen befindlichen flachen Ziegelkappen gebildet werden. Es sind noch bescheidene Reste einer ehemals darunter befindlichen Holzverkleidung vorhanden, welche noch aus der Erbauungszeit stammen dürften. Die gesamte Breite des durch die Schutzhohlräume belegten Raumes beträgt etwa 15,5 Meter In beiden Räumen finden sich zahlreiche Reste von Kabelschellen und Be- sowie Entlüf-tungsöffnungen, welche auf eine spätere Nutzung als Generatorenräume o.Ä. hindeuten. Direkt neben den Schanzenresten steht ein ruinöses Gebäude, bei welchem es um eine Lotsenstation o.Ä. aus den 30er Jahren handeln dürfte.

Die Eingänge zu den beiden Räumen sowie der beide Räume bergende Wall sind das Einzige, was von der Schanze noch sichtbar ist. Der Rest der Anlage wurde ganz offensichtlich restlos eingeebnet. Im nahe der Schanze gelegenen „Marinemuseum Peenemünde“ war die Auskunft zu erhalten, dass beide Schutzhohlräume wohl deshalb erhalten blieben, da sie als Lotsenbude fungierten. Auf der Oberseite des Walles war, zu dieser Aussage passend, noch ein umgekippter Rest eines Mastes aufzufinden, welcher noch aus zwei ineinander gesteckten Gusseisernen Rohrelementen bestand, deren Fuge mit Blei abgedichtet war. Ursprünglich dürfte dieser wohl noch aus der Kaiserzeit stammende Mast aus drei Elementen bestanden und der Anbringung von Seezeichen gedient haben. An seinem Fußpunkt war er an zwei in einen Stampfbetonsockel eingelassenen Stahlträgern befestigt. Zu dritt ließ sich dieser Mast wieder aufrichten, was nach dem Hissen einer Flagge dann für das letzte Festungsrätsel bildlich verewigt wurde.

Einen Eindruck des ursprünglichen Umfangs der Anlage kann man im oben schon erwähnten kleinen Marinemuseum am Peenemünder Hafen erhalten, in welchem ein alter Plan der Fortifikation Peenemünde und ein darauf basierendes Modell der Schanze ausgestellt sind. Allerdings geben beide nur den Zustand um 1757 wieder. Zu dieser Zeit wies die Schanze einen tenaillierten und somit sternförmigen Grundriss auf, in dessen Zentrum sich eine quadratische Redoute befand, welche einen offenbar nicht bombensicheren Backsteinbau barg. Die vorgefundenen Reste der Schanze lassen sich aus diesem Modell jedoch nicht herleiten, was darauf schließen lässt, dass die Schanze ziemlich genau 110 Jahre nach dem dargestellten Ausbauzustand massiv umgestaltet worden sein dürfte.

Um einen Besuch der frei zugänglichen Schanzenreste zu ermöglichen, seien hier die Koordinaten genannt:
54°08'21.2"N 13°45'21.8"E bzw. 54.139225, 13.756048

Anmerkungen:

1: [1] Seite 170 2: [2] Seite 172 3: [2] Seite 173 4: [2] Seite 173 5: [2] Seite 338 6: [2] Seite 339 7: [3] Seite 348

Quellen:

[1] Rudi Rolf; „Die Entwicklung des deutschen Festungssystems seit 1870“; Fortress Books 2000

[2] Hermann Frobenius; „Geschichte des preußischen Ingenieur- und Pionier-Korps von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahre 1886. Band I. Die Zeit von 1848 bis 1869“; Berlin 1906

[3] Hermann Frobenius; „Geschichte des preußischen Ingenieur- und Pionier-Korps von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahre 1886. Band II. Die Zeit von 1870 bis 1886; Berlin 1906

Lage und Übersichtsskizze (S. Höbig)Gesamtansicht der Anlage, Sept. 2016Eingang des linken Raumes, Sept. 2016 Auszug einer historischen Postkarte; ausgestellt im Marinemuseum Peenemünde; Sammlung Oliver Klotzin Innenansicht des rechten Raumes, Sept. 2016Detail der Decke des linken Raumes, Sept. 2016
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