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Am Wall Nr. 100 - kein „falscher Fuffziger“

Text: F. Brouwers

Dass ein mit Gold beladener Esel jede Festung erobert, ist eine bekannte Tatsache, dass es aber auch mit Papiergeld geht, war eine Erkenntnis erst der jüngeren Geschichte. Natürlich haben schon immer erfinderische Herrscher Ihre eignen Länder mit der Ausgabe nicht gedeckten Geldes ruiniert, nur die Idee, das mit falschem Geld bei einem fremden Staat zu erreichen, war neu.

 

100-DM-Schein aus der Serie BBk II

Im Rahmen der „Operation Bernhard“ nämlich fälschte unter Federführung des Reichssicherheitshauptamte RSHA das Deutsche Reich britische Pfundnoten im Nennwert von 5, 10, 20 und 50 £ in einer Qualität, die eine Entdeckung der Fälschungen weitgehend unmöglich machte. Absicht war die Ruinierung der britischen Wirtschaft durch den massenhaften Einsatz dieses falschen Geldes im Mutterland und in den Kolonien. Die Bank of England rief deshalb nach dem Krieg alle Pfund-Noten ab fünf Pfund zurück. Sie vernichtete damit zwar auch die echten Banknoten, dafür waren aber alle Fälschungen aus dem Verkehr gezogen. Es gab dafür keine andere Möglichkeit, weil diese kaum von den falschen zu unterscheiden waren - ein schöner Erfolg der Fälscher, sollte man meinen.

Diese Vorgänge brachten nur etwas später im sogenannten „Kalten Krieg“ die Hüter der neuen deutschen Währung um den Schlaf und sie beschlossen, für diesen Fall eine schnell auszugebende Parallelwährung zu drucken, die bei Bedarf in kurzer Zeit die bisherige Währung ersetzen und damit alle Fälschungen nach britischem Muster wertlos machen würde. Das Drucken war dabei sicherlich die geringste Mühe, aber die Frage, wo diese Riesenmenge Pa-piergeld unterzubringen sein würde, machte erhebliches Kopfzerbrechen.

Schließlich entschloss man sich, einen Teil direkt bei der Bundesbank in Frankfurt einzulagern und den anderen, größeren Rest so zu verstecken, dass ihn erstens keiner finden und zweitens keiner kaputt machen konnte. Für beides hatte man, damals nicht ganz zu Unrecht, die Staaten des Warschauer Paktes im Verdacht und so entstand, brav auf der linken Rheinseite („die Russen“ würden ja sicherlich am rechten Rheinufer halt machen!) in einem versteckten Abschnitt des Moseltales ein Geldspeicher der besonderen Art. Erst 1988 wurde dieses Ersatzgeld nicht gebraucht und in immer noch geheimen Aktionen vollständig vernichtet.

Aber was hatte es mit dem Aufbewahrungsort auf sich? Der Bundesbankbunker Cochem war ein Bunker der Deutschen Bundesbank in Cochem (Rheinland-Pfalz) zur Aufbewahrung einer Notstandswährung. Von 1964 bis 1988 wurden in der streng geheimen Anlage bis zu 15 Milliarden Mark gelagert, die Deutschland im Falle einer Hyperinflation, verursacht durch den Kalten Krieg, vor einer nationalen Wirtschaftskrise bewahren sollten.

Geschichte
In den Jahren des Kalten Krieges bestand immer die Gefahr, dass ein Konflikt zwischen dem Westen (NATO) und dem Ostblock (Warschauer Pakt) ausbrechen könnte. Gerade die Bundesrepublik Deutschland war durch ihre Lage als Grenzstaat zwischen beiden Blöcken gefährdet. Aus diesem Grund wurden in der Bundesrepublik diverse Si-cherheitsvorkehrungen getroffen, wie der ebenfalls zu dieser Zeit gebaute Regierungsbunker bei Ahrweiler. Ein ähnlicher Bunker zur Aufbewahrung von Währungsreserven wurde von der damaligen Landeszentralbank Rheinland-Pfalz bei der Spechtmühle nahe Lorscheid im Landkreis Trier-Saarburg errichtet.

Unter anderem befürchtete man eine massive Geldentwertung durch große Mengen Falschgeld, welche vom Ostblock in der Bundesrepublik Deutschland in Verkehr gebracht werden sollten. Mit einer vorgehaltenen Notwährung sollte in diesem Fall die Kaufkraft aufrechterhalten werden. Dazu wurde eigens eine eigene Serie der Deutschen Mark, die BBk II, gedruckt. Der Geldbestand wurde alle drei Monate von einem Prüfer der Bundesbank stichprobenartig kontrolliert. Außer diesen Prüfern durfte niemand den Bunker betreten.

1988 wurde die Notstandswährung vernichtet und der Bunker stand zunächst leer. 1994 verkaufte die Deutsche Bundesbank die Anlage an die Volksbank Cochem. In einem Tresor des Bunkers wurden Schließfächer für Kunden eingebaut, der größte Teil des Komplexes blieb jedoch unberührt.

Die gesamte Anlage, bestehend aus dem oberirdischen Grundstück mit zwei großen Tarnwohnhäusern sowie dem unterirdischen Bunker- und Tresorsystem, wurde 2014 für unter 500.000 Euro an einen Treis-Kardener Unternehmer verkauft, der die Bunkeranlage instandsetzte und in ein Museum verwandelte. Der Bebauungsplan wurde hierfür im Jahr 2015 geändert, doch werden bereits seit Ende 2015 Gruppen-Führungen angeboten. Seit März 2016 steht der Bundesbank-Bunker Cochem jetzt als offizielle Dokumentationsstätte auch Einzelpersonen für geführte Besichtigungen offen, ein Pendelbus fährt von Mai bis Ende Oktober ab dem Endertplatz in Cochem bis zum Bunker. Die ehemaligen Tarnwohnhäuser wurden zu einem Hotel umgebaut.

Lage und Aufbau
Die 1.500 Quadratmeter große Bunkeranlage wurde von der Deutschen Bundesbank zwischen 1962 und 1964 im hunsrückseitigen Cochemer Stadtteil Conz rund 30 Meter unter der Erdoberfläche errichtet. Die Standortwahl fiel bewusst auf Cochem, da das Moseltal einen sehr guten Schutz beispielsweise vor einer atomaren Druckwelle bietet. Zudem wurde ein linksrheinischer Standort gewählt. Frankfurt am Main liegt 108 km Luftlinie östlicher und damit näher an der innerdeutschen Grenze und am Fulda Gap.

Der oberirdische Teil der Anlage auf einem 8.700 Quadratmeter großen Grundstück war als Schulungs- und Erholungsheim der Deutschen Bundesbank in einem Wohngebiet getarnt. Der Bunker hat zwei Haupt- und einen Notzugang. Er kann über den Hauptzugang oder durch den Keller des Schulungsheims betreten werden. Der Notausstieg befindet sich im Kühlturm im hinteren Teil des Gartens und ist durch Bäume und Sträucher getarnt.

Zum Schutz des Bunkers wurde ein Sicherheitssystem mit Sensoren in den Wänden der Tresore installiert, die auf Erschütterungen und Lärm reagieren. Bei der Auslösung eines Alarms wurde automatisch die örtliche Polizei benachrichtigt, die jedoch nicht wusste, was sich im Bunker befand. Nur der Heimleiter konnte den Bunker betreten und mittels einer Gegensprechanlage Geräusche im Tresorraum abhören. Der Tresorraum selbst konnte nur von wenigen Mitarbeitern der Bundesbank aus Frankfurt betreten werden, da die zugehörigen Schlüssel nicht vor Ort gelagert wurden.

Der Bunker hätte im Falle eines Atomkrieges auch 100 Zivilisten Schutz geboten, die hier zwei Wochen hätten überleben können. Es gab neben den Tresorräumen auch Schlaf- und Arbeitsräume, eine Warnstelle sowie einen Funkraum mit einer direkten Verbindung zum Innenministerium. Die Anlage besaß eine eigene Elektrizitätsversorgung per Dieselgeneratoren und 75.000 Liter Treibstoffreserve, die Trinkwasserversorgung war mittels Tiefbrunnen und einem 40.000 Liter Wassertank gesichert. Die Versorgung mit Atemluft wurde über einen Sandfilter gewährleistet.

klassische Lüftungstechnik in allen Räumen (Foto: Holger Weinandt, CC-BY-SA-3.0)Tresortür zu Tresor 1 (Foto: Holger Weinandt, CC-BY-SA-3.0) Geld in Säcken und Schachteln im Tresor I (Foto: O. Zauzig)
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