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  • Zitadelle Spandau, Berlin
  • Fort Gorgast, Kaserne, Brandenburg
  • k.u.k. Fort Gorazda, Kehlseite, Montenegro
  • Ehemalige Batterie Boutelle, San Francisco, USA
  • Artilleriewerk Opera 7 des Vallo Alpino, Monte Croce Comelico, Sbarramento Alto Padola Cresta di Vallorera, Karnische Alpen, Italien
  • Erhaltene Fassade des nach 1945 gesprengten Flakturmes im Humboldthain, Berlin
  • 38,1 cm Kanone der 43. Batería Punta Paloma Alta, Tarifa, Spanien
  • Postazione M2 des neuen Vallo Alpino, Passo di Tanamea, Italien
  • Bogendeckung für Kampfflugzeuge auf dem ehemaligen sowjetischen Flugplatz Brand, Brandenburg

Normandie 2017

Text und Bilder: Peter und Helga Weinreich


[Die Redaktion entschuldigt sich für die verspätete Veröffentlichung.]

Der diesjährige Urlaub der Familie Weinreich in die Normandie hat uns zu einigen der Landungsabschnitte der Invasion von 1944 geführt. Zuletzt waren wir hier vor 20 Jahren, und man muss sagen: Es hat sich vieles verändert – nicht nur zum Besseren. Konnte man früher so gut wie alles frei und ungehindert besuchen, so ist es nun entweder ein Museum oder abgesperrt und verwachsen bis unzugänglich. Aber all dem zum Trotz haben wir dann doch noch einiges Neues zu Gesicht bekommen.

Ein Beispiel für freien Zugang ist der sogenannte Hillman in Colleville-Montgomery. Man erreicht diesen bemerkenswerten Flecken mit hoher Bunkerkonzentration von Caen kommend über die D514 bis Bénouville und dann über die D35 nach Colleville-Montgomery. Dort biegt man in die Rue du Beulville a Colleville ein und erreicht nach wenigen hundert Metern das Museum, das auch ein Denkmal an das Suffolk-Regiment ist, das diese Stellung eingenommen hat.



Bild 1: Bunker der Stellung W10 am Utah Beach

Am Museum angekommen findet man direkt an der Straße einen R 605 Geschütz-Unterstellraum II für zwei Geschütze und einen dazwischen liegenden Mannschaftsraum. Weiterhin ist das sehr schön angelegte Museumsgelände mit zwei R 609 (Bild 2), verschiedenen Unterständen für Mannschaften, einem Küchenunterstand in feldmäßigem Ausbau, verschiedenen 58c-Tobruk-Ständen, einem Brunnenbunker und auch einem Wasser-reservoir bestückt. Auch gibt es eine kleine Auswahl an deutschen Hindernissen, die am Strand aufgestellt waren, zu sehen. Anlass der Zusammenstellung des Geländes war laut Info einer Tafel Folgendes:

Um 1942 bauten die Deutschen hier eine befestigte Stellung auf eine Fläche von 600 x 400 Metern mit ca. 18 Bunkern. Sie diente Oberst Krug als Hauptquartier über den von ihm befehligten Küstenschutz und lag ideal nur 5 Kilometer von der Küste entfernt. Unterstützt wurde Oberst Krug vom 736. Grenadierregiment, von dem 150 Soldaten abgestellt waren. Die Bunker waren durch ein Netz von Gräben und unterirdischen Gängen verbunden und stellten den Invasoren am Tag der Landung ein enormes Hindernis dar. Die Lage war strategisch günstig, waren die Landungsabschnitte von hier doch leicht zu erreichen, und auch rund 600 Meter rundherum reichten die Geschütze.

Am Tag der Landung hatte das 1. Bataillon des Suffolk-Regiments die Aufgabe, die Stellung zu erobern, was jedoch erst am 7. Juni gelang. Der britische Generalstab hatte die Verteidigungsstellung der Hillman-Bunker einfach unterschätzt. Die Bezeichnung „Hillman“ war übrigens der Tarnname, den die Engländer für die Invasion ausgegeben hatten.

Bild 2: R 609 des Museums im Abschnitt HillmanSpäter besuchten wir dann die Radarstellung „Distelfink“ in Douvres la Delivrande. Sie ist als abgespeckte Version eines Teils der Radarstellung museal aufbereitet und gegen den Obolus von € 6,50 zu besichtigen. Hier sind dann ein Würzburg-Riese-Radar in seiner vollen Pracht, aber nicht auf dem Original-Sockel, und verschiedene andere Radar-Schüsseln zu sehen. Bis auf ein Freya-Radar sind diese allerdings neueren Datums.

Bild 3: Würzburg-Riese-RadarAber zurück zum Original. Das Museum ist ein Freigelände mit festen Wegen unter Androhung von Strafe, diese zu verlassen. Zu sehen und begehen ist gleich hinter dem Kassenhäuschen ein R 622 (Doppelgruppenunterstand), weiter den Weg entlang ein weiterer R 622 ohne Zugangsmöglichkeit, gefolgt von einem L 486 (Bunker für ortsfeste Funkmessgeräte). Folgt man dem Pfad weiter, sieht man sich vor dem Würzburg-Radar (Bild 3) – schon ein imposanter Anblick. Weiter den Weg kommt man zum Bunker Typ L 479 (Funkmessgeräteauswertung Jafü Anton). Dieses zweistöckige Bauwerk wurde mit Liebe zum Detail versucht einzurichten. Mittelpunkt des Bauwerks sind die Seeburg-Tische, mit Hilfe derer die eigene und feindliche Luftlage dargestellt wurde. Aktuell sind die Seeburg-Tische nicht mehr in Funktion, aber eine Grafik auf Französisch und Englisch erklärt deren Funktion. Weiterhin gibt es einen eingerichteten Mann-schaftsraum sowie Bilder und Schautafeln und ein Diorama, welches den Bunker L 479 im Bau befindlich darstellt. Man erreicht das Radarmuseum von Caen kommend über die D7/404 und biegt auf die D 87 ab. Das Museum ist schon auf der D 404 ausgeschildert.

Im Zuge der Nähe zu den vorgenannten besuchten wir auch erstmals den Hochleitstand in Quistreham, der schon seit Jahren von verschiedenen Quellen als sehenswert beschrieben wird. Als wir dort waren, herrschte Hochbetrieb. Touristen aus allen Herren Länder gaben sich die Türen in die Hand und so war mit einsamen Bildern nicht viel zu machen. Aber man kann sagen, dass die Betreiber sich mit der Einrichtung des Bauwerks echte Mühe gegeben haben. Im Außenbereich stehen die obligatorischen Fahrzeuge der Invasoren, sowie eine Flak 8,8 cm. Außerdem ist ein französischer Panzerturm in einem Tobruk zu sehen, sowie ein Strandhindernis. Im Peilraum, vorletzte Etage, steht ein schön anzusehender Entfernungsmesser.

An einem sonnigen Tag besuchten wir auch die Batterie Longues sur Mer zwischen den Abschnitten Gold und Omaha Beach gelegen. Sehr viel Verkehr auf dem Hinweg, auf dem Gelände und in den Bauwerken. Bunkertourismus ist ein lohnendes Geschäft und steht in voller Blüte (Bild 4).

Bild 4: Bunker der Batterie Longues sur MerWeiter führte der Weg am Point du Hoc (Bild 5) vorbei hinauf nach Cherbourg, zuerst Richtung Bretteville, wo wir mangels Karte und ungenügender Vorbereitung nur ein Französisches Fort mit Annexbatterie fanden. Die von uns gesuchte Marine-Küstenbatterie in Tourlaville blieb uns verwehrt.

Bild 5: Bettung am Point du HocAlso ging es weiter durch Cherbourg hindurch, an den vielen Militärbauten vorbei Richtung Castel Vendon.

Wir wollten uns die MKB Stellung mit den zwei Turm-schächten für die geplanten 34 cm-Türme ansehen, aber hier war die Natur schneller. Alles überwuchert und auch abgezäunt, da zum einen Weide und zum anderen Naturschutz. Also haben wir uns zu Fuß den Weg gesucht, der uns dann die Bunker M 272 (Bild 6) präsentierte.

Sie wurden auf der Weide als Viehstallung genutzt und waren entsprechend präpariert.

Bild 6: Bunker M 272Der Tag neigte sich dem Ende zu, und auf der Rückfahrt zu unserem Feriendomizil sind wir entlang des Utah Beach gefahren und haben noch kurz die Stellung W10 (Bild 1) besucht.

INTERFEST-Jahrestagung
Berlin, 1.- 5. Mai 2019